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Land ordnet Weiterbetrieb von Kunststofffabrik Leuna an

Beim insolventen Kunststoffhersteller Domo am Standort Leuna wird die Produktion zunächst weitergeführt. Das Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt hat aus Gründen der Gefahrenabwehr einen vorübergehenden Weiterbetrieb der Anlagen angeordnet.

Hintergrund ist nach Angaben des Ministeriums, dass eine kurzfristige Stilllegung unter den aktuellen Bedingungen nicht sicher umzusetzen sei.

Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) erklärte in einem Interview mit dem Mitteldeutscher Rundfunk, das Land habe handeln müssen, um Risiken für Mensch und Umwelt abzuwenden. Ein kontrolliertes Herunterfahren der Anlagen sei derzeit nicht möglich.

Kosten für das Land im Millionenbereich

Durch die Anordnung entstehen dem Land Sachsen-Anhalt zusätzliche Kosten. Nach Angaben des Landesverwaltungsamts ist mit Ausgaben im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich zu rechnen.

Die Maßnahme erfolgt im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme. Dabei übernimmt der Staat vorübergehend organisatorische Verantwortung, um Gefahren aus einer unkontrollierten Betriebseinstellung zu verhindern.

Domo bestätigte den Sachverhalt in einer Stellungnahme. Darin heißt es, dass die Produktionsanlagen aus sicherheitstechnischen Gründen weiterbetrieben werden müssten. Die bestehenden Betreiber seien derzeit die einzigen Akteure, die die dafür notwendigen Maßnahmen fachgerecht umsetzen könnten.

Hoffnung auf Investorenlösung

Der Weiterbetrieb soll zugleich Zeit schaffen, um mögliche Übernahmen oder Fortführungskonzepte zu prüfen. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Schulze gibt es Interessenten, die einen Einstieg in das Unternehmen erwägen. Eine solche Lösung wäre insbesondere für die Beschäftigten von Bedeutung. Am Standort Leuna arbeiten rund 550 Menschen.

Ursprünglich hatte Domo geplant, die Produktion herunterzufahren, nachdem keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden konnte. Das Unternehmen hatte bereits im Dezember Insolvenz angemeldet. Neben den Gesellschaften in Leuna ist auch die Domo Engineering Plastics im brandenburgischen Premnitz betroffen.

Bedeutung für die Chemiebranche

Domo stellt unter anderem Polyamid 6 her, einen hitzebeständigen Kunststoff, der in der Automobilindustrie, im Anlagenbau sowie in der Textil- und Outdoorbranche verwendet wird. Aufgrund der bestehenden Lieferketten könnte ein Produktionsstopp auch Auswirkungen auf andere Unternehmen haben.

Nach Angaben der IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Die Branche erwirtschaftet demnach einen Jahresumsatz von mehr als 30 Milliarden Euro und steht derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

Energiepreise als Auslöser der Krise

Als wesentlicher Auslöser der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gilt die Energiepreiskrise im Jahr 2022. In dieser Phase geriet das Werk in Leuna in die Verlustzone. Seitdem haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für energieintensive Betriebe zwar teilweise stabilisiert, das Vorkrisenniveau wurde jedoch vielfach nicht wieder erreicht.