Die teilverstaatlichte Meyer-Werft in Papenburg steht weiterhin unter finanziellem Druck. Interne Unterlagen, über die Medien berichten, deuten darauf hin, dass sich die Verluste des Unternehmens in den vergangenen Jahren auf erhebliche Summen belaufen könnten.
Demnach lag das Defizit der Werft im Jahr 2023 bei rund 260 Millionen Euro. Für 2024 wird ein deutlich höherer Verlust von etwa 575 Millionen Euro genannt. Auch für 2025 rechnen Prüfer offenbar mit einem weiteren Minus von rund 271 Millionen Euro.
Sollten sich diese Zahlen bestätigen, würde sich der Gesamtverlust innerhalb von drei Jahren auf rund 1,1 Milliarden Euro summieren.
Staatlicher Einstieg und umfangreiche Garantien
Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage hatte der Staat bereits eingegriffen. Im Jahr 2024 stellte die Bundesregierung gemeinsam mit dem Land Niedersachsen 400 Millionen Euro Eigenkapital bereit und stieg damit bei dem Unternehmen ein.
Zusätzlich bestehen staatliche Bürgschaften in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro. Diese sollen die Finanzierung und Auftragsabwicklung absichern.
Prüfer sehen Risiken für die Unternehmensfortführung
Laut Berichten über ein internes Prüf-Dokument äußerten Wirtschaftsprüfer bereits im Herbst 2025 Zweifel an der weiteren Entwicklung des Unternehmens. Demnach bestehe eine „wesentliche Unsicherheit“ hinsichtlich der Fortführung der Geschäftstätigkeit.
Als kritisch wird insbesondere gesehen, dass die Sanierung an bestimmte Annahmen gebunden ist. Sollten sich diese nicht erfüllen oder geplante Maßnahmen nicht umgesetzt werden, könnte zusätzlicher Finanzbedarf entstehen, der über die bestehenden Mittel hinausgeht.
Sanierung soll bis 2028 abgeschlossen werden
Das Bundeswirtschaftsministerium betont, dass ein möglicher Rückzug des Staates erst nach einer nachhaltigen Stabilisierung des Unternehmens in Betracht komme. Ziel ist es, die Werft wirtschaftlich zu konsolidieren und anschließend Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.
Unternehmensseitig wird darauf verwiesen, dass die laufende Sanierung planmäßig verlaufe. Der Finanzierungsbedarf sei durch vorhandene Eigen- und Fremdmittel gedeckt.
Personalwechsel im Finanzressort
Im Zuge der laufenden Restrukturierung steht auch ein Wechsel in der Unternehmensführung an. Finanzchefin Melanie Freytag will ihren Posten Ende April niederlegen.
Bedeutung für den Industriestandort
Die Meyer-Werft zählt zu den traditionsreichen Industrieunternehmen in Deutschland und ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens wird daher nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten beobachtet, sondern auch mit Blick auf Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung.
Wie sich die Sanierung entwickelt und ob zusätzliche staatliche Mittel erforderlich werden, dürfte in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen.