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Privatisierung oder weiter stützen? Dresdner Flughafen rückt erneut in den Fokus

Der finanzielle Druck auf den Flughafen Dresden wächst – und mit ihm die Debatte darüber, ob ein staatlicher Flughafen noch Zukunft hat. Der Dresdner IHK-Präsident Andreas Sperl hat die Diskussion neu angestoßen: Er plädiert dafür, zu prüfen, ob der defizitäre Standort aus der Mitteldeutschen Flughafen AG herausgelöst und privatisiert werden könnte. Die Frage trifft einen wunden Punkt, denn seit Jahren schreibt der Flughafen rote Zahlen, und politische Unterstützung schwindet.

Die Mitteldeutsche Flughafen AG, zu der Leipzig/Halle und Dresden gehören, befindet sich seit Jahren in einer angespannten Lage. 2024 verzeichnete sie den höchsten Verlust ihrer Geschichte: insgesamt 53,5 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse sanken erneut, gleichzeitig verursachten Restrukturierungsmaßnahmen zusätzliche Kosten. Nur durch neue Kredite und frische Gesellschafterzuschüsse konnte eine Finanzierungslücke von 145 Millionen Euro geschlossen werden. Damit ist der Betrieb der beiden Flughäfen lediglich bis Ende 2026 gesichert.

Vor allem ein Gesellschafter zieht sich nun schrittweise zurück: Sachsen-Anhalt will ab 2027 keine Mittel mehr für den defizitären Dresdner Standort aufbringen. Das Land begründet den Schritt damit, dass es keinen Mehrwert darin sieht, einen Flughafen zu stützen, der für die eigene Region kaum Bedeutung hat. Für Sperl ist diese Haltung nachvollziehbar – erst recht aus Sicht der Stadt Halle, die wirtschaftlich auf Leipzig/Halle ausgerichtet ist.

Warum die Privatisierung auf dem Tisch liegt

Sperl fordert, die Option eines privaten Betreibers ernsthaft zu prüfen. Er verweist auf zahlreiche Beispiele in Deutschland und Europa, in denen Flughäfen durch private Investoren saniert oder strategisch neu ausgerichtet wurden. Ob das in Dresden möglich wäre, lässt er offen. Doch die Frage scheint unausweichlich: Wie lange können staatliche Zuschüsse ein Geschäftsmodell tragen, das in seiner heutigen Form nicht wirtschaftlich arbeitet?

Der Flughafen Dresden ist klein, sein Einzugsgebiet begrenzt, und der Luftverkehr der Region konzentriert sich zunehmend auf den deutlich größeren Standort Leipzig/Halle. Gleichzeitig baut die Politik seit Jahren auf neue Impulse – etwa durch die Halbleiter-Industrie, die internationale Verbindungen benötigt. Sperl sieht darin ein Argument für den Standort, doch auch private Investoren würden genau prüfen, ob ausreichend Potenzial vorhanden ist.

Welche Bedeutung Dresden aus Sicht der Wirtschaft hat

Für die Dresdner Industrie ist die Frage der Erreichbarkeit zentral. Unternehmen der Mikroelektronik und Halbleiterproduktion investieren Milliarden in den Standort. Internationale Verbindungen gelten deshalb als Standortfaktor. Sperl warnt davor, den Flughafen kleinzurechnen. Für ihn ist klar: Dresden benötigt zusätzliche Flugrouten, um wirtschaftlich attraktiv zu bleiben. Wer diesen Ausbau stemmen könnte, bleibt jedoch offen.

Gleichzeitig ist bekannt, dass kleinere Flughäfen oft nur durch langjährige politische Rückendeckung stabil betrieben werden können. Der Luftverkehr ist zyklisch, die Konkurrenz groß, und alternative Einnahmequellen – wie Fracht oder Flächenvermarktung – können nicht überall im gleichen Umfang genutzt werden. Die MFAG versucht derzeit, genau hier anzusetzen: Verträge mit DHL wurden verlängert, Prozesse sollen verschlankt und digitale Abläufe ausgebaut werden. Auch ungenutzte Flächen sollen künftig stärker vermarktet werden.

Politische Gespräche stehen bevor

In der kommenden Woche treffen sich Wirtschaftsvertreter, Handelskammern und Finanzminister Christian Piwarz (CDU), zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der MFAG. Dort soll über die Zukunft des Flughafensystems beraten werden. Dabei wird die Frage nach der Landesbeteiligung unausweichlich sein. Die MFAG betont, dass der Verlust des vergangenen Jahres einkalkuliert gewesen sei – ein Ergebnis der laufenden Restrukturierung, nicht eines Kontrollverlusts. Dennoch bleibt offen, wie ein nachhaltiger Kurs aussehen kann, wenn ein Gesellschafter aussteigt und weitere Verluste drohen.

Was die kommenden Jahre entscheiden werden

Die zentrale Frage lautet: Lässt sich der Flughafen Dresden wirtschaftlich stabilisieren, oder braucht er ein neues Modell? Privatisierung könnte eine Option sein, erfordert aber die Bereitschaft privater Investoren, einen Standort mit begrenztem Wachstumspotenzial zu übernehmen. Staatliche Weiterführung ist ebenfalls möglich, setzt aber langfristige Zuschüsse voraus und muss politisch getragen werden. Die nächsten Haushaltsjahre werden zeigen, wie viel Unterstützung Bund und Länder dem Luftverkehr in der Fläche künftig zumessen.

Fest steht: Der Dresdner Flughafen steht am Scheideweg. Zwischen regionaler Bedeutung, wirtschaftlichem Druck und politischen Interessen muss ein Weg gefunden werden, der den Betrieb dauerhaft sichert – ob unter staatlicher Führung oder in privater Hand.