In der Berliner Regierungskoalition mehren sich die Stimmen für eine Aufstockung der Staatsbeteiligung an der Commerzbank, um deren unerwünschte Übernahme durch die italienische UniCredit zu vereiteln.
Man denke darüber nach, die Staatsbank KfW zu nutzen, um das Aktienpaket von gut zwölf Prozent wieder aufzustocken, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mit einem größeren Anteil ließe sich zumindest verhindern, dass die italienische Großbank die Commerzbank ganz schlucke. Die KfW, die Bundesregierung und die Commerzbank wollten sich dazu nicht äußern.
Für eine wirkungsvolle Aufstockung müsste der Bund Milliardenbeträge in die Hand nehmen. Das könne sich angesichts der Rolle der Commerzbank als Finanzier des Mittelstands lohnen, sagten mehrere Insider.
Auch Kunden gegen Übernahme
Mit dem Verkauf von 4,5 Prozent an der Commerzbank hatte die vorherige Bundesregierung der Unicredit selbst die Tür geöffnet. Damals hatte der Bund gut 700 Millionen Euro erlöst, heute wäre das gleiche Paket fast 1,8 Milliarden Euro wert. Die Commerzbank hält noch gut vier Prozent eigene Aktien, die sie eigentlich einziehen will. Um auf eine Sperrminorität zu kommen, müsste die KfW im Auftrag des Bundes fast fünf Milliarden aufwenden.
Unicredit-Chef Andrea Orcel hatte am Dienstag offiziell ein Übernahmeangebot für die Commerzbank gestartet. Er will damit den Anteil der Mailänder Bank an der Commerzbank von gut 26 auf mehr als 30 Prozent schrauben. Danach hätte Unicredit – spätestens Anfang des Jahres 2027 – freie Hand für weitere Aktienkäufe. Die Commerzbank-Führung um Bettina Orlopp kämpft gegen eine Übernahme, die sie als feindlich erachtet, und weiß dabei die Bundesregierung hinter sich. Doch deren Möglichkeiten sind mit einem Anteil von zwölf Prozent begrenzt.
Auch viele Commerzbank-Kunden wenden sich offen gegen einen Verkauf an Unicredit. Michael Wisser, Chef der Frankfurter Gebäudereinigungs- und Dienstleistungs-Gruppe Wisag, sieht den Staat dabei in einer Schlüsselrolle: „Ich glaube fest daran, dass es keinen Deal geben wird, wenn sich die Bundesregierung sehr deutlich positioniert. Dann wird auch nichts passieren.“