Der chinesische Staatskonzern COSCO Shipping will seine Präsenz in Deutschland weiter ausbauen – und stößt dabei auf politische Widerstände. Im Fokus steht die geplante Übernahme von 80 Prozent der Anteile an der Hamburger Spedition Konrad Zippel Spedition.
Zippel ist auf den Transport von Containern zwischen Seehafen und Hinterland spezialisiert, insbesondere per Bahn. Für Cosco würde der Einstieg eine logische Erweiterung darstellen: Der Konzern organisiert bereits den Seetransport, könnte mit Zippel künftig auch den Weitertransport ins Binnenland stärker kontrollieren.
Das Bundeskartellamt hat den Deal aus wettbewerbsrechtlicher Sicht bereits genehmigt. Begründung: Beide Unternehmen sind auf unterschiedlichen Stufen der Transportkette tätig und stehen nicht in direkter Konkurrenz.
Warnungen aus Sicherheitskreisen
Anders bewertet wird die Übernahme aus sicherheitspolitischer Perspektive. Nach Recherchen von NDR und WDR hat das Bundesamt für Verfassungsschutz intern vor dem Einstieg gewarnt.
Die Sorge: Durch Beteiligungen an mehreren Punkten der Logistikkette könnte Cosco strategischen Einfluss auf kritische Infrastruktur gewinnen – vom Hafenbetrieb bis in das Hinterland.
Bundesregierung prüft den Deal
Der Fall liegt derzeit beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das ein Investitionsprüfverfahren durchführt. Eine Entscheidung steht noch aus.
Solche Verfahren prüfen insbesondere, ob ausländische Investitionen die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährden könnten. Sie gewinnen angesichts geopolitischer Spannungen zunehmend an Bedeutung.
Vorgeschichte im Hamburger Hafen
Die Debatte ist auch deshalb sensibel, weil Cosco bereits im Hamburger Hafen engagiert ist. Seit 2023 hält der Konzern knapp 25 Prozent am Containerterminal Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG. Eine ursprünglich höhere Beteiligung wurde politisch begrenzt.
Mit dem Einstieg bei Zippel würde Cosco seinen Einfluss erstmals deutlich über den Hafen hinaus ausweiten – ein Schritt, der die strategische Bedeutung des Deals erhöht.
Grundsatzfrage für die Wirtschaftspolitik
Der geplante Erwerb wirft erneut die Frage auf, wie Deutschland mit ausländischen Investitionen in kritische Infrastruktur umgehen soll.
Während Unternehmen von globalen Lieferketten profitieren, wächst zugleich die Sorge vor einseitigen Abhängigkeiten und geopolitischem Einfluss.
Entscheidung mit Signalwirkung
Die Entscheidung der Bundesregierung dürfte über den Einzelfall hinausreichen. Sie wird zeigen, wie strikt Deutschland künftig bei sicherheitsrelevanten Investitionen vorgeht – und wie weit wirtschaftliche Öffnung mit strategischen Interessen vereinbar ist.