Die öffentliche Hand ist in Hamburg ein gewichtiger Akteur der Wirtschaft. Mit rund 370 Beteiligungen und etwa 79.000 Beschäftigten prägen städtische Unternehmen zentrale Bereiche wie Energie, Verkehr und Wohnungsbau. Der aktuelle Beteiligungsbericht für 2024 zeigt: Die wirtschaftliche Bedeutung wächst weiter – doch die Diskussion über Effizienz, Kontrolle und Gehälter nimmt zu.
Nach Angaben von Andreas Dressel, Finanzsenator der Hansestadt, haben die öffentlichen Unternehmen im Jahr 2024 so viel investiert wie nie zuvor. Mit 3,8 Milliarden Euro lagen die Ausgaben rund 18 Prozent über dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 haben sich die Investitionen nahezu verdoppelt.
Die Mittel fließen vor allem in Infrastruktur, Energiewende und Stadtentwicklung. Damit übernehmen die Unternehmen eine zentrale Rolle bei langfristigen Transformationsprozessen. Gleichzeitig zeigt der Bericht ein leicht rückläufiges Gesamtergebnis: Mit rund 1,04 Milliarden Euro lag der Saldo aus Gewinnen und Verlusten etwa 250 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.
Wachsende Bilanzsummen und steigende Schulden
Auch strukturell sind die städtischen Beteiligungen gewachsen. Die Bilanzsumme erhöhte sich auf 55,3 Milliarden Euro, das Eigenkapital auf 17,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten deutlich auf 18,7 Milliarden Euro – ein Plus von über elf Prozent.
Diese Entwicklung verdeutlicht die zunehmende finanzielle Dimension der öffentlichen Unternehmen. Kritiker sehen darin jedoch auch steigende Risiken, insbesondere mit Blick auf Zinsentwicklung und langfristige Tragfähigkeit.
Beschäftigung auf Höchststand
Mit 79.000 Beschäftigten erreichten die städtischen Unternehmen einen historischen Höchstwert. Der Anstieg um gut fünf Prozent zeigt, dass die öffentliche Wirtschaft ein bedeutender Arbeitgeber bleibt. Auch bei der Ausbildung wurden Kapazitäten ausgebaut: Die Zahl der Auszubildenden stieg um 7,8 Prozent auf 2282.
Auffällig bleibt jedoch die Verteilung von Führungspositionen. Während Aufsichtsgremien bereits mehrheitlich weiblich besetzt sind, liegt der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen bei lediglich rund 26 Prozent.
Gehälter und Ungleichheit im Fokus
Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft die Vergütung der Führungsebene. Zwar hat sich das Verhältnis zwischen durchschnittlichen Einkommen der Beschäftigten und den Bezügen der Geschäftsleitungen leicht verbessert – von 1:3,82 auf 1:3,76. Dennoch bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmen.
Besonders ausgeprägt ist die Spreizung bei großen Gesellschaften wie HHLA, wo die Führungsebene ein Vielfaches des Durchschnitts verdient. Solche Unterschiede stoßen zunehmend auf Kritik.
Opposition fordert mehr Kontrolle
Aus der Hamburger Bürgerschaft kommt deutlicher Widerspruch zur positiven Darstellung des Senats. Vertreter von CDU, Linken und AfD bemängeln unter anderem fehlende Transparenz bei Risiken, steigende Verschuldung und eine unklare strategische Ausrichtung.
Kritisch gesehen wird auch die Rolle einzelner Unternehmen wie SAGA. Hier wird die Sorge geäußert, dass wirtschaftliche Ziele mit sozialen Aufgaben kollidieren könnten – etwa wenn Mieter indirekt zur Finanzierung öffentlicher Haushalte beitragen.
Privatisierungsdebatte bleibt präsent
Der Bund der Steuerzahler Deutschland fordert erneut, Beteiligungen ohne strategische Bedeutung zu privatisieren. Transparenz allein reiche nicht aus, solange Fehlentwicklungen keine Konsequenzen hätten.
Damit bleibt die Grundsatzfrage bestehen: Wie weit sollte der Staat als Unternehmer auftreten – und wo sind private Akteure effizienter?
Zwischen Steuerung und Markt
Der Beteiligungsbericht zeigt eine öffentliche Wirtschaft im Spannungsfeld zwischen politischem Auftrag und wirtschaftlicher Realität. Einerseits treiben die Unternehmen zentrale Zukunftsprojekte voran. Andererseits wachsen Komplexität, Finanzvolumen und politische Erwartungen.
Wie sich dieses Modell langfristig entwickelt, hängt nicht nur von Investitionen ab – sondern auch davon, wie klar Ziele definiert und kontrolliert werden.