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Rosneft Deutschland: Wertverlust, Treuhand und ein Milliardenstreit

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht der deutsche Ableger des russischen Staatskonzerns Rosneft unter staatlicher Kontrolle. Nun geben erstmals vertrauliche Gutachten Einblick in den wirtschaftlichen Wert des Unternehmens – und zeigen eine deutliche Entwicklung nach unten.

Ein internes Gutachten der Investmentbank Rothschild & Co bezifferte den Wert von Rosneft Deutschland Ende 2023 noch auf rund zwei Milliarden Euro. Nach einer Aktualisierung im Frühjahr 2025 liegt dieser nur noch im hohen dreistelligen Millionenbereich. Damit hat sich der Unternehmenswert innerhalb kurzer Zeit massiv reduziert.

Zum Portfolio gehören bedeutende Beteiligungen an zentralen Raffinerien in Deutschland, darunter Anteile an der PCK Raffinerie GmbH, der MiRO Raffinerie sowie an Bayernoil Raffineriegesellschaft. Diese Anlagen sind entscheidend für die Kraftstoffversorgung, insbesondere im Osten und Süden Deutschlands.

Staatliche Kontrolle seit 2022

Die Kontrolle über Rosneft Deutschland liegt seit 2022 bei der Bundesnetzagentur. Grundlage ist eine Treuhandlösung, die im Zuge der Energiekrise eingeführt wurde. Sie wurde mehrfach verlängert, zuletzt bis März 2026.

Ein Verkauf der Anteile ist bislang gescheitert. Damit bleiben zwei Optionen: entweder ein späterer Verkauf oder eine Enteignung durch den Staat.

Rechtliche Risiken für den Bund

Die Treuhand ist rechtlich umstritten. Rosneft hatte bereits Klage gegen die Maßnahme eingereicht, diese jedoch vorübergehend ruhen lassen. Sollte das Verfahren wieder aufgenommen werden, droht ein langwieriger Rechtsstreit – mit offenem Ausgang.

Im Fall einer Enteignung fordert Rosneft nach Angaben seines Anwalts eine Entschädigung von bis zu acht Milliarden Euro. Diese Summe liegt deutlich über dem zuletzt ermittelten Unternehmenswert.

Gutachten als politisches Instrument

Das Gutachten von Rothschild spielt eine zentrale Rolle. Es liefert eine Grundlage für mögliche Verkaufsverhandlungen, könnte aber auch bei der Abwehr von Schadensersatzforderungen genutzt werden.

Strittig ist jedoch die Frage der Unabhängigkeit. Offiziell wurde das Gutachten von Rosneft selbst beauftragt. Nach Informationen aus Regierungskreisen soll es jedoch auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums unter dem damaligen Minister Robert Habeck entstanden sein.

Das Ministerium selbst betont, dass es sich nicht um ein eigenes Gutachten handelt und keine Verfügungsrechte bestehen. Gleichzeitig bestätigt die Bundesregierung, dass entsprechende Bewertungen existieren.

Unsichere Perspektiven

Der Fall Rosneft Deutschland bleibt damit politisch und wirtschaftlich brisant. Die Kombination aus sinkendem Unternehmenswert, rechtlicher Unsicherheit und strategischer Bedeutung der Raffinerien macht eine schnelle Lösung schwierig.

Für den Bund steht viel auf dem Spiel: Neben der Energieversorgung geht es auch um mögliche milliardenschwere Entschädigungen – und um die Frage, wie weit staatliche Eingriffe in kritische Infrastruktur gehen dürfen.