Eine Bürgerschaftsfraktion in Lübeck will ein neues Parkhaus wieder verkaufen. „Linke und GAL“ dringen auf eine schnelle Neuausrichtung des Parkhauses Godewind in Travemünde. Das Gebäude, das rund acht Millionen Euro gekostet habe, verursache nach Darstellung der Fraktion dauerhaft hohe Defizite und belaste den städtischen Haushalt erheblich. Nach einem Jahr Betrieb seien die anfänglichen Zweifel bestätigt: Die Auslastung habe bei nur 11,6 Prozent gelegen, zugleich koste die Anlage die Hansestadt Lübeck jährlich rund 500.000 Euro.
Für das Jahr 2025 beziffert die Fraktion „Linke und GAL“ den Verlust auf 640.822 Euro, davon habe die Stadt 512.658 Euro getragen. Selbst wenn sich die Parkvorgänge im Jahr 2026 verdoppeln sollten, bleibe das Defizit demnach nahezu unverändert bei „weiterhin fast einer halben Million“. Fraktionsvertreter machen dafür die Entscheidung von CDU, SPD und FDP verantwortlich, das Parkhaus gegen fachliche Empfehlungen zu bauen.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Juleka Schulte-Ostermann (GAL) spricht von einer Fehlentscheidung, die „umgehend korrigiert“ werden müsse. Das Geld fehle an anderer Stelle, etwa in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, bei Frauenhäusern oder beim Nachtangebot am Wochenende.
Alternativen prüfen
Die Fraktion fordert den Bürgermeister auf, Alternativen zu prüfen. Im Hauptausschuss am 24. März hatte Schulte-Ostermann dazu konkrete Fragen gestellt: ob ein Verkauf sinnvoll sei und welche Haushaltseffekte zu erwarten wären, welche baulichen und planungsrechtlichen Hürden einer Umnutzung entgegenstünden, welche Umbaukosten anfallen würden und ob Fördermittel möglich seien.
Genannt wird unter anderem ein Mobilitäts-Hub, etwa mit Fahrradparkhaus und Carsharing, ergänzt um eine Skate- oder Bewegungsfläche für Kinder und Jugendliche.
Außerdem will die Fraktion wissen, ob durch eine Begrenzung öffentlichen Parkraums in Travemünde und weniger Parksuchverkehr die Auslastung des Parkhauses steigen und das Defizit sinken könnte. Ziel sei es, die Belastung des Lübecker Haushalts zu begrenzen und das Projekt in eine nachhaltigere Richtung zu lenken.
In Deutschland werden Parkhäuser sowohl staatlich als auch privat geführt. Zu den größten privaten Parkhausbetreibern in Deutschland zählen vor allem APCOA, Contipark, Q-Park, B+B Parkhaus und Vinci Park / Indigo.