In Brieselang im Landkreis Havelland entsteht eine neue Rettungswache. Bis Mai 2027 soll an der Karl-Marx-Straße 3 ein Gebäude mit rund 700 Quadratmetern Bruttogeschossfläche errichtet werden. Künftig sollen dort zwei Rettungswagen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Finanziert und gebaut wird die Wache von einem privaten Projektentwickler, während der Landkreis die Immobilie langfristig mietet.
Das Vorhaben ist damit ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft beim Ausbau kommunaler Infrastruktur.
Neubau soll provisorischen Standort ersetzen
Der Rettungsdienst in Brieselang ist derzeit provisorisch im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht. Der bisherige Standort musste aufgrund erheblichen Sanierungsbedarfs aufgegeben werden.
Mit dem Neubau soll der Rettungsdienst wieder eine eigene, dauerhaft nutzbare Einrichtung erhalten. Geplant sind eine Fahrzeughalle und ein daran anschließender zweigeschossiger Sozialtrakt.
Nach der Fertigstellung sollen zwei Rettungswagen an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr einsatzbereit sein. Darüber hinaus werden von dem Standort aus Krankentransportwagen, Notarztwagen und Notarzteinsatzfahrzeuge koordiniert, die dort zeitweise stationiert sein können.
Für das Rettungspersonal sind sechs Bereitschaftsräume sowie ein Büro vorgesehen. Die Räume sollen den Beschäftigten während ihrer Schichten ausreichend Möglichkeiten für Ruhezeiten und organisatorische Arbeiten bieten.
Damit wird die neue Rettungswache nicht nur eine Unterbringungsmöglichkeit für Fahrzeuge, sondern auch ein Arbeits- und Aufenthaltsort für die Einsatzkräfte.
Landkreis setzt auf öffentlich-private Partnerschaft
Die Initiative für den Neubau ging vom Landkreis Havelland aus. Dieser hatte seinen Bedarf an einer neuen Rettungswache im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens öffentlich gemacht.
Aus diesem Verfahren entwickelte sich die Zusammenarbeit zwischen dem regionalen Projektentwickler RegWert und dem Bauunternehmen Vollack.
RegWert übernimmt als privater Bauherr und Investor die Entwicklung des Standorts, die Finanzierung und die Projektsteuerung. Vollack ist für die Generalplanung und die bauliche Umsetzung verantwortlich.
Der Landkreis bleibt für die Organisation der Notfallversorgung zuständig und wird die neue Immobilie langfristig als Mieter nutzen.
Damit unterscheidet sich das Vorhaben von einem klassischen kommunalen Bauprojekt. Statt selbst als Bauherr aufzutreten und sämtliche Investitionskosten unmittelbar zu tragen, nutzt der Landkreis eine von privater Seite entwickelte und finanzierte Immobilie.
Langfristige Miete statt kommunalem Eigenbau
Solche Partnerschaftsmodelle gewinnen insbesondere dort an Bedeutung, wo Kommunen neue Gebäude benötigen, ihre finanziellen Möglichkeiten für eigene Bauinvestitionen aber begrenzt sind.
Ein privater Investor kann die Entwicklung und Finanzierung übernehmen, während die öffentliche Hand die Immobilie über einen längeren Zeitraum nutzt und dafür Miete zahlt.
Für den Landkreis kann das den Vorteil haben, dass Planung, Bau und Finanzierung weitgehend beim privaten Partner liegen. Die Anforderungen an die Nutzung werden dennoch vom künftigen Betreiber bestimmt.
Allerdings bedeutet dieses Modell nicht, dass die öffentliche Hand keine Kosten trägt. An die Stelle einer eigenen Bauinvestition treten langfristige Mietverpflichtungen.
Ob eine solche Lösung wirtschaftlicher ist als ein kommunaler Eigenbau, hängt unter anderem von den Baukosten, den Finanzierungskonditionen, der Vertragslaufzeit und den vereinbarten Instandhaltungspflichten ab.
Zu den konkreten Investitionskosten und zur Höhe der künftigen Mietzahlungen wurden für das Brieselanger Projekt keine Angaben gemacht.
Ein finanzieller Vergleich mit einem klassischen kommunalen Bauvorhaben ist deshalb bislang nicht möglich.
Klare Aufgabenverteilung bei Planung und Bau
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen soll die Zusammenarbeit vor allem unterschiedliche Kompetenzen bündeln.
Der Landkreis kennt als künftiger Nutzer die betrieblichen Anforderungen an eine moderne Rettungswache. Dazu gehören die Zahl und Unterbringung der Einsatzfahrzeuge, die räumliche Organisation der Bereitschaftsdienste sowie die notwendigen Arbeits- und Sozialbereiche.
RegWert stellt als Bauherr die wirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen bereit. Dazu zählen die Standortentwicklung, die Finanzierung und die Koordination des Projekts.
Vollack übernimmt die Planung und die bauliche Realisierung.
RegWert-Geschäftsführer Kevin Marcuse sieht den Vorteil des Modells darin, dass sich die Beteiligten auf ihre jeweiligen Aufgaben konzentrieren können.
Auch Carsten Oschietzky, Partner bei Vollack Berlin/Brandenburg, hebt die Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Investor und Bauunternehmen hervor. Gerade bei Projekten mit mehreren Verantwortlichen komme es auf klare Abstimmungen und ein gemeinsames Verständnis der Anforderungen an.
Holzbau soll sich in die Umgebung einfügen
Architektonisch ist die neue Rettungswache als Verbindung aus funktionalem Betriebsgebäude und zurückhaltend gestaltetem Sozialtrakt vorgesehen.
Während die Fahrzeughalle die technischen Anforderungen des Rettungsdienstes erfüllen muss, soll der zweigeschossige Sozialbereich in Holzrahmenbauweise entstehen.
Geplant sind eine Holzfassade und ein Satteldach. Damit orientiert sich die Gestaltung an der bestehenden Bebauung in Brieselang.
Der Entwurf soll vermeiden, dass sich die Rettungswache ausschließlich als technischer Zweckbau präsentiert. Stattdessen soll sich insbesondere der Sozialtrakt in die gewachsene städtebauliche Struktur der Gemeinde einfügen.
Mit rund 700 Quadratmetern Bruttogeschossfläche bleibt das Gebäude vergleichsweise kompakt. Die Planung muss dennoch ausreichend Platz für Fahrzeuge, Bereitschaftsräume und die notwendigen betrieblichen Abläufe bieten.
Wärmepumpe und Photovoltaik für den Gebäudebetrieb
Bei der Energieversorgung setzt das Projekt auf eine Kombination aus regenerativen Technologien und technischer Absicherung.
Vorgesehen sind eine Luftwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage. Die Wärmepumpe soll die Wärmeversorgung des Gebäudes übernehmen, während die Solaranlage einen Teil des benötigten Stroms erzeugen kann.
Hinzu kommt eine Netzersatzanlage. Sie soll bei einem Ausfall der regulären Stromversorgung wichtige betriebliche Funktionen aufrechterhalten.
Für eine Rettungswache ist diese Absicherung besonders wichtig. Da die Einsatzbereitschaft an allen Tagen des Jahres gewährleistet sein muss, darf der Gebäudebetrieb nicht allein von einer störungsfreien öffentlichen Stromversorgung abhängen.
Wie hoch der Energiebedarf des Gebäudes sein wird und welchen Anteil die Photovoltaikanlage voraussichtlich decken kann, wurde bislang nicht mitgeteilt.
Künftig auch Ausbildungsstandort für Rettungskräfte
Neben dem regulären Rettungsdienst ist vorgesehen, die Einrichtung perspektivisch als Lehrrettungswache zu nutzen.
Dort könnten künftig angehende Notfallsanitäter sowie weitere Rettungsdienstkräfte praktische Erfahrungen sammeln und für ihren späteren Einsatz ausgebildet werden.
Eine solche Nutzung würde die Funktion des Standorts erweitern. Die Rettungswache wäre dann nicht nur ein Ausgangspunkt für Notfalleinsätze, sondern auch Teil der praktischen Ausbildung im Rettungswesen.
Ob und wann der Ausbildungsbetrieb aufgenommen wird, ist noch nicht konkretisiert.
Fertigstellung für Mai 2027 vorgesehen
Mit dem angekündigten Baustart im August 2026 ist das Projekt in die Umsetzungsphase gegangen. Die Fertigstellung ist für Mai 2027 geplant.
Bis dahin bleibt der Rettungsdienst auf die provisorische Unterbringung bei der Freiwilligen Feuerwehr angewiesen.
Für den Landkreis Havelland steht vor allem die langfristige Sicherung einer geeigneten Infrastruktur im Vordergrund. Die neue Wache soll bessere räumliche Bedingungen für das Personal schaffen und die dauerhafte Einsatzbereitschaft am Standort gewährleisten.
Zugleich zeigt das Projekt, wie kommunale Infrastruktur entstehen kann, ohne dass die öffentliche Hand selbst als Bauherr auftritt.
Ob dieses Modell auch wirtschaftliche Vorteile bietet, wird wesentlich von den langfristigen Vertragsbedingungen abhängen. Für die Notfallversorgung in Brieselang ist zunächst entscheidend, dass der bisherige provisorische Standort durch ein dauerhaft nutzbares Gebäude ersetzt wird.